Es wird eine gewisse Standartisierung der Regeln geben – nicht aus Schikane, und nicht aufgrund irgendwelcher Anweisungen höherer Instanzen, sondern aus rein pragmatischen Gründen: Ohne Software, ohne Programme, kann man mit 6 Mrd. verschiedenen Gesetzen nichts anfangen. Suchmaschinen können Wörter suchen, aber noch keine Inhalte beurteilen.
Aber die Einschränkung der Freiheit durch die Standartisierung wird minimal sein. So ziemlich jeder wäre zufrieden, hätte er die Freiheit, in irgendeinem vorgeschriebenen Gesetzestext alle Zahlen zu ändern – insbesondere alle Strafhöhen – einschließlich der Möglichkeit, die Strafhöhe auch gleich Null zu setzen und somit jedes Verbot faktisch abzuschaffen.
Mehr Standartisierung ist jedoch nicht nötig.
Die einfachste Form eines Standards ist eine Konvention. Hier hat man kaum Wahlfreiheit: Entweder man unterzeichnet und akzeptiert sie, oder nicht.
Hauptanwendungsgebiet für Konventionen düften Regeln sein, die auf Gegenseitigkeit basieren: Ich verspreche, mich gegenüber allen Unterzeichnern der Konvention folgendermaßen zu verhalten …. Dieses Element von Gegenseitigkeit macht die Standartisierung wichtig: Man muss selbst genau dieselbe Konvention unterzeichnen, um in den Genuss der Vorteile zu gelangen. Eine ähnliche Konvention zu unterzeichnen reicht nicht aus – zumindest die KI, die uns heute zur Verfügung steht, ist nicht ausreichend, um herauszufinden, ob zwei verschiedene Konventionen äquivalent sind oder nicht.
Eine komplexere Variante ist was ich "Gesetzbuch" nenne – eine lange Liste von Paragraphen, bei der man frei ist, die Strafhöhen selbst zu bestimmen. Einschließlich der Möglichkeit, die Strafe auf Null zu setzen und damit den Paragraphen selbst außer Kraft zu setzen.
Ein solcher Gesetzestext, der die verschiedensten Paragraphen enthält, ist für Programme leicht zu verarbeiten – es ist nichts als eine Folge von Zahlen. Ein Programm, was bewertet, ob die Zahlenfolge anderer mit den eigenen Vorstellungen kompatibel ist, ist leicht zu schreiben: Man selbst ist frei, vorzugeben, was für Minimal- und Maximalstrafen anderer tolerierbar sind, und das Programm selbst muss nichts weiter als Zahlenfolgen vergleichen – ein höchst primitives Programm also, welches heutzutage sehr schnell sein dürfte, so dass man auch große Mengen von Daten testen kann.
Einheitliche Gesetze für alle, oder zumindest für große Gruppen (Männer/Frauen, Inländer/Ausländer, Angehörige verschiedener Kasten/Stände/Religionen/Rassen/Nationalitäten/Altersklassen) kann man als eine analoge Form der Standartisierung betrachten, eben die, die ohne Computerunterstützung praktikabel ist.
Von diesem Standpunkt aus betrachtet sind die heutigen allgemeinen Gesetze einfach eine veraltete Technik des sozialen Umgangs.
Hier ist jederman frei, einen Standard vorzuschlagen, es gibt keine zentrale Instanz, die einen solchen Standard festlegt.
Welcher Standard gewinnt, entscheidet der Markt. Ein Markt ohne Preise, die einzelnen Nutzer entscheiden, welche Standards sie akzeptieren und welche nicht.
Es kann durchaus mehrere Standards geben, die miteinander konkurrieren.
Die Konkurrenz zwischen den Standards beruht allerdings auf ganz anderen Prinzipien als die politischen Auseinandersetzungen über Gesetze in Demokratien. Die Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Law-and-Order Fanatikern spielt keinerlei Rolle mehr – die Strafhöhen sind schließlich nicht selbst Teil des Standards.
Die Qualitätskriterien für solche Standards dürften ganz andere sein als wir sie heute kennen. Heute interessiert man sich im wesentlichen nur für die Frage was genau verboten ist und wie hoch die Strafe ist.
Die Höhe der Strafe bleibt völlig irrelevant, da sie den Nutzern überlassen bleibt. Selbst die Frage was verboten ist bleibt den Nutzern überlassen.
Es gibt trotzdem Qualitätsunterschiede. Schlechte Gesetze sind unklar formuliert, so dass schwer zu entscheiden ist ob die Regel verletzt wurde, formulieren so dass Verstöße schwer nachweisbar sind, und fassen Taten sehr verschiedener Art unter einem Punkt zusammen.
Man wird schlecht formulierte Gesetze sogar statistisch von guten unterscheiden können: Bei schlecht formulierten Gesetzen werden die Unterschiede bei den Strafen sehr viel größer als bei präzise und gut formulierten Gesetzen.